Warum „schießendes“
Schüttgut gefährlich sein kann.
Unter den bekannten Problemen im Siloalltag zählt das sogenannte „Schüttgutschießen“ zu den gefährlichsten Phänomenen überhaupt. Es geht hier nicht nur um Produktverluste oder Prozessstörungen – sondern um akute Lebensgefahr für Mitarbeitende.
Ein tragischer Unfall, der im Rahmen einer Fachschulung geschildert wurde, zeigt das drastisch: Bei wiederholter Brückenbildung versuchte ein Mitarbeiter, das blockierte Material über eine Inspektionsluke mit einer Stange mechanisch zu lösen. Die Brücke befand sich oberhalb der Luke.
Beim Lösen brach das Gewölbe schlagartig zusammen, das darüberliegende Material stürzte in den darunterliegenden Hohlraum, vermischte sich mit der eingeschlossenen Luft – und wurde anschließend explosionsartig aus der Luke geschleudert. Der Mitarbeiter wurde verschüttet. Eine Rettung war nicht mehr möglich.
Solche tragischen Ereignisse sind leider keine Einzelfälle. Sie zeigen, warum das Thema Schießen von Schüttgütern zwingend technisch beherrscht werden muss.
Was genau ist „Schießen“?
Schießen tritt auf, wenn Schüttgut plötzlich fluidisiert wird. In diesem Zustand erhöhen sich die Partikelabstände so stark, dass die inneren Haftkräfte (wie van-der-Waals-Kräfte) ihre Wirkung verlieren.
Die Folge: Die Schüttgutfestigkeit sinkt drastisch, und das Material „fließt teilweise sogar besser als Wasser“.
Warum schießt Schüttgut?
Zeitverfestigung
Kritische Partikelgröße
Kernfluss & Entlüftung
Hohe Abzugsleistungen
Schüttgutschießen – mehr als ein Austragsproblem
Die wirksamsten Vermeidungsstrategien
Massenflussauslegung
Vermeidung von Brückenbildung
Wahl geeigneter Austragsorgane
- Zellenradschleusen mit
- engen Spalten (< 0,2 mm)
- hoher Kammerzahl
- Rohrförderschnecken
ggf. mit angeschweißten Bremsstegen auf den Rückseiten der Wendeln Trogschnecken gelten hingegen als weniger geeignet, da sie das Schüttgut kaum abbremsen können.